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↓  Der Bedarf kann mit der Nahrung nicht gedeckt werden. ↑

D: Neugeborene: 50 mg, -1: 30 mg / kg KG, 1+: 30 - 100 mg / kg KG (~0,5 g pro 10 kg Körpergewicht bzw. 2 - 7 g / 70 kg KG)

DGE: -1: 55 mg, -4: 60 mg, -7: 70 mg, -10: 80 mg, -13: 90 mg, 13+: 100 mg, Sch: 110 mg, St: 150 mg

RDA: 60 mg

Niemand bezweifelt, dass Ascorbin lebensnotwendig ist. Die Geister scheiden sich an der Dosierung. Die erste Graphik beruht auf einer kinetischen Studie von Levine et al. in einer Dosierung bis 2,5 Gramm. Die Autoren empfahlen eine tägliche Zufuhr von 400 Milligramm, da in etwa bis zu dieser Dosis kaum Ascorbin mit dem Urin ausgeschieden wurde. Alle kleinen Moleküle werden rasch ausgeschieden. Kein Mensch käme auf die Idee, den Tagesbedarf an z. B. Magnesium an dessen Urinausscheidung zu bemessen anstatt an seiner Wirkung.

Die zweite Graphik zeigt die tägliche Ascorbinzufuhr bis zum oral maximal erreichbaren Blutspiegel. Die Tagesproduktionsraten der Säugetiere, die Ascorbin endogen synthetisieren können, liegen zwischen 0,5 bis über 20 Gramm und entsprechen damit dem sanft ansteigenden Mittelteil der Kurve (steady state).

Die Vermutung, für den Menschen sei eine Dosis im steil ansteigenden linken Kurventeil ausreichend, ist physiologisch unplausibel.

 

 

 

 

Was bewirkt Ascorbin in unserem Körper?

Die Energie zum Leben gewinnen wir aus dem Sauerstoff der Luft durch den sogenannten aeroben Stoffwechsel. Dabei werden Elektronen von einem Molekül auf ein anderes übertragen. Als kurzlebige Zwischenprodukte entstehen freie Radikale, auch ROS genannt, Reactive Oxygen Species, welche so reaktionsfreudig und aggressiv sind, dass sie sehr schnell Moleküle in ihrer Struktur und Funktion schädigen oder zerstören.

Dies wird durch Antioxidantien verhindert. Ohne diese ist Leben unter aeroben Stoffwechselbedingungen nicht möglich. Eines der wichtigsten Antioxidantien ist Ascorbin (Ascorbinsäure, Ascorbin,  Ascorbat und Vitamin C werden hier synonym verwendet).

In Gesundheit besteht eine Balance zwischen ROS und Antioxidantien. In diesem Zustand befinden sich die wenigsten Menschen. Bei den meisten überwiegen die ROS. Es entstehen Entzündungen, die zu Gewebsschädigungen und Reparationsvorgängen führen. Ein Überwiegen der wasserlöslichen Antioxidantien ist biochemisch offenbar nicht möglich, da selbst eine reichlichste Zufuhr nicht zu Krankheiten führt, sondern sie verhindert. Bei fettlöslichen Antioxidantien (z. B. Vitamin E) sind Obergrenzen zu beachten.

Zu den physiologisch im Körper gebildeten ROS kommen freie Radikale aus chronischen Entzündungsherden und aus unserer Umwelt hinzu sowie Schadstoffe, die freie Radikale bilden können, und damit den sogenannten oxidativen Stress vermehren:

  • Chronische Entzündungen (z. B. Arteriosklerose, Arthritis, Kolitis, Zahnentzündungen)
  • Luftverschmutzung (Ozon, Rauchen, Autoabgase)
  • Metabolische Störungen (Diabetes mellitus)
  • Operationen
  • Physischer Stress (Infekte)
  • Psychischer Stress
  • Röntgenstrahlen
  • Zytostatika


Unter diesen Bedingungen ist der Bedarf an Antioxidantien erhöht. Vor allem fehlt im allgemeinen Ascorbin, dessen ausreichende Zufuhr schon für den normalen Ablauf zahlreicher biochemischer Reaktionen unseres Körpers lebensnotwendig ist (Auswahl):

  • Carnitin-Synthese (Fettverbrennung)
  • Coenzymfunktionen
  • DNA- und Oxidationsschutz
  • Frakturheilung
  • Infektabwehr
  • Kollagensynthese
  • Leistungsfähigkeit
  • Leukozytenfunktion (u. a. die Phagozytenmotilität, Infektabwehr)
  • Menstruation
  • Noradrenalin-Synthese
  • Sehvermögen (GABA-Rezeptoren, Weiterleitung optischer Reize)
  • Steroid-Hydroxylierung (Hormonbildung)
  • Stickstoffmonoxid-Synthese (oxidativer Stress verhindert diese)
  • Stress-Bewältigung
  • Wundheilung (Dekubitus, Verbrennungen, Keloide)

 


Alle Krankheiten, an denen entzündliche Vorgänge beteiligt sind, lassen sich mit der reichlichen zusätzlichen Einnahme von Ascorbin günstig beeinflussen oder vermeiden (Auswahl):

  • Allergien
  • Antitoxin-Wirkung
  • Arterielle Hypertonie
  • Arteriosklerose
  • Arthritis
  • Asthma
  • Atopische Dermatitis
  • Autoimmunerkrankungen
  • Borreliose
  • Burnout
  • Chronic-Fatigue-Syndrom
  • Depressionen
  • Fibromyalgie
  • Hämodialyse
  • Harnwegsinfektionen
  • Hepatitis
  • Herpes Zoster
  • Herzinfarkt
  • HIV
  • Infektionen, viral u. bakteriell
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Krebsprävention
  • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Operationen
  • Osteoporose
  • Parodontitis
  • Pollinosis (Heuschnupfen)
  • Psoriasis
  • Rheuma
  • Schlaganfall
  • Schock
  • Sepsis
  • Stress
  • Traumafolgen
  • Tumorerkrankungen
  • Ulkus
  • Urtikaria
  • Wundheilungsstörungen

 


Ascorbin – ein besonderes „Vitamin“

Da uns Menschen das Enzym L-Gulonolacton-Oxidase fehlt, können wir Ascorbin nicht wie die meisten Lebewesen synthetisieren, sondern müssen es mit der Nahrung zu uns nehmen. Angesichts der vielfältigen Aufgaben, die es zu erfüllen hat, geht der Körper sehr ökonomisch mit dieser Substanz um. Der aktive Rückresorptionsmechanismus in den Nieren bewirkt, dass Ascorbin bis zu einer Tagesdosis von 100 mg nicht, darüber hinaus, wie alle anderen  kleinen Moleküle (Calcium, Magnesium, Glukose) auch, ausgeschieden wird.

Bereits mit dieser Dosis liegt der Bedarf weit höher als es für Vitamine üblich ist, die im Mikrogramm- bis zweistelligen Milligrammbereich angesiedelt sind, so dass etliche es lediglich als historisch betrachten, dass Vitamin C unter den Vitaminen eingeordnet wurde, weil diese Substanz chronologisch nach Vitamin A und B und vor D und E entdeckt wurde. Jedenfalls kommt ihm in der Vitamingruppe eine herausragende Stellung zu, nicht nur durch die vielen verschiedenen Aktionen, sondern auch hinsichtlich der Dosis.

Im Gegensatz zu den anderen Vitaminen, vor allem den fettlöslichen, die man nicht überdosieren darf, ist die Skala nach oben für Ascorbin nahezu unbegrenzt. Es ist eine der untoxischsten Substanzen, die wir kennen. Ascorbinsäure ist so ungefährlich wie Rohrzucker und weit weniger toxisch als Kochsalz.

 

Auswirkungen eines Ascorbinmangels

Ohne Ascorbin können wir nicht leben. Fehlt es in der Nahrung oder wird es erheblich mehr verbraucht als zugeführt, entsteht innerhalb weniger Monate Skorbut. Die unzureichende Kollagensynthese ruft eine hämorrhagische Diathese (erhöhte Kapillarfragilität) hervor mit den Symptomen Zahnfleischbluten, Gingivahyperplasie (Zahnfleischwucherungen), Zahnausfall, Erschöpfung, Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung, Hyperkeratosen, Ekchymosen (größere Hauteinblutungen), Petechien (punktförmige Hauteinblutungen), Dermatitiden (Hautentzündungen), schmerzhafte subperiostale (unter der Knochenhaut liegende) Blutungen (besonders bei Kindern), Arthritiden (Gelenkentzündungen), Depressionen, Muskeleinblutungen, Fieber, Diarrhoe (starker Durchfall), Exitus durch progrediente Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Dieses Krankheitsbild beobachtet man heutzutage selten, nur noch im Endstadium konsumierender Krankheiten.

Demgegenüber ist der Präskorbut weit verbreitet. Frühsymptome sind Müdigkeit, Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, reduzierte Belastbarkeit oder Lethargie. Nach 1-3 Monaten kommen Dyspnoe (Kurzatmigkeit) und Knochenschmerzen hinzu. Mangelnde Carnitinbildung kann zu Muskelschmerzen (Myalgie, „Fibromyalgie“) führen. Weitere Symptome sind Appetitlosigkeit, Zahnfleischbluten, Infektanfälligkeit, Petechien, Hyperkeratosen, Depressionsneigung und emotionale Störungen.

Besteht über viele Jahre eine Mangelversorgung mit Ascorbin, können sich wegen des abgeschwächten DNA-Schutzes, der reduzierten Coenzymfunktionen,  der mangelhaften Kollagenbildung und der vital dominierenden Noradrenalin-Synthese chronische Krankheiten wie zum Beispiel Arthrose, Arteriosklerose oder Autoimmunerkrankungen entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit dafür hängt auch von der Lebenssituation und der individuellen biochemischen Variabilität ab.

 

Der Ascorbinbedarf

Manche behaupten, man brauche gar nicht viel Vitamin C zu nehmen, da es ohnehin schnell ausgeschieden wird. Entsetzlich, dass dieses Totschlagargument mit einer solchen Impertinenz immer wiederholt wird. Gerade weil es schnell ausgeschieden wird, muss man es ständig ersetzen, um einen ausreichenden Blutspiegel aufrecht zu erhalten.

Man kann die Situation mit einer Regentonne vergleichen, in der sich 10 Zentimeter oberhalb des Bodens ein Loch befindet. Der Regen entspricht der oralen Ascorbin-Einnahme, der Wasserstand dem Blutspiegel, das Loch der Ausscheidung über die Nieren und die Höhe des Lochs über dem Boden der Nierenschwelle.

Bei Regen steigt der Wasserspiegel entsprechend der Regenmenge, wobei gleichzeitig das Wasser durch das Loch wieder abläuft. Um die Tonne gut gefüllt zu halten bei gleichbleibendem Wasserstand, muss die Regenmenge der durch das Loch abfließenden Wassermenge entsprechen. Wie eingangs erwähnt, erreicht man bei diesem Vergleich mit der Zufuhr von 100 bis 200 Milligramm Vitamin C täglich nur einen Wasserstand bis in Spundlochhöhe.

Jeder weiß, dass sich die aufzunehmende Menge eines Stoffes nach dessen Bedarf richtet und nicht nach seiner Nierenschwelle; das Fass sollte sozusagen gut gefüllt oder voll sein. Würde jemand empfehlen, nur so wenig Natrium, Kalium oder Magnesium zu essen, dass diese Stoffe nicht im Harn erscheinen, würde er uns sehr rasch umbringen. Das Gegenteil ist richtig: Wenn z. B. Diuretika oder Laxanzien zu einem erhöhten Kaliumverlust führen, muss man umso mehr nachfüllen, um die Homöostase zu erhalten.

Aus Tierversuchen ist bekannt, dass bei Stress der Ascorbinbedarf bzw. die Ascorbinsynthese auf das zehnfache zunimmt, weil sehr viel Ascorbin für die gesteigerte Noradrenalinproduktion erforderlich ist. Ist der Nachschub limitiert, fehlt es in den übrigen Stoffwechselwegen. Es ist demnach plausibel, dass Menschen mit wenig Stress weniger Ascorbin brauchen als Menschen mit viel Stress. Erstere haben bei gleicher Dosierung wie letztere eine geringere Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Die Tiere, die Vitamin C synthetisieren können, scheiden dies natürlich auch aus. In Ruhe haben Ratten eine Tagesproduktion von 26 mg/kg KG, bei Stress eine von 215 mg/kg KG. Die Urinausscheidung beträgt ohne Stress 15 % der Tagesproduktion und mit Stress bis zu 48 % (Burns JJ et al., 1954). Beim Menschen beträgt die Urinausscheidung 0 % bei einer Tagesdosis von 100 mg und steigt auf (nur) über 60 % der Tagesdosis, wenn diese über 5 g liegt.

Neben körperlichem (Leistungssport, ungewöhnlich anstrengende Arbeiten, Rauchen, Kanzerogene wie Dieselabgase, etc.) und psychischem Stress (berufliche Sorgen, Tod eines nahen Angehörigen) gehen auch Infekte mit einem gesteigerten Ascorbinbedarf einher. Tritt bei einer Mangelversorgung ein Virusinfekt auf, wird Ascorbin hauptsächlich zur Virusabwehr für die Leukozytenfunktion benötigt und fehlt für die Noradrenalinproduktion: Wir fühlen uns abgeschlagen. Länger anhaltender psychischer Stress verbraucht viel Ascorbin für die Noradrenalinproduktion. Neben der die Infektabwehr schwächenden erhöhten Cortisolproduktion fehlt in einer Mangelsituation Ascorbin für die Leukozytenfunktion und Infektabwehr, im ungünstigsten Fall auch für den DNA-Schutz: Es kann Krebs entstehen.

Neuere Untersuchungen bewiesen, dass hohe Ascorbinkonzentrationen, wie sie bei intravenöser Applikation erreichbar sind, selektiv Krebszellen durch die Erzeugung von Wasserstoffperoxid (H2O2) abtöten. Bei dieser Dosierung wirkt es erstaunlicherweise nicht antioxidativ, sondern selektiv oxidativ.

Soweit muss man es aber nicht kommen lassen, sondern sollte rechtzeitig vorbeugen. Denn auch wenn wir im Ascorbin ein die Lebensqualität erhaltendes, nur die Krebszellen vernichtendes Zytotoxikum haben, ist das noch keine Garantie für einen Sieg über den Krebs.

 

Wieviel Ascorbin brauchen wir?

Zur Vermeidung von Skorbut genügen täglich 20 mg Ascorbin. Beim Präskorbut ist die Situation komplexer. So suchte man Ende der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit Untersuchungen an Strafgefangenen die minimale Tagesdosis, bei der gerade noch keine Mangelerscheinungen auftraten, und fand 100 mg.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt die tägliche Zufuhr von 100 mg Ascorbin, für Neugeborene und Säuglinge 50 mg. Wie der Ernährungsbericht 2008 der DGE zeigt, erreicht die Mehrzahl der Säuglinge und der Bewohner von Pflegeheimen bei weitem nicht diese empfohlene Tagesdosis. Pflegeheimbewohner haben eine „deutlich zu geringe Aufnahme“ von Vit. D (90% der Bewohner), Vit. E (80%), Vit. B1 bis B12 (70%), Folat (97%), Vit. C (92%), Calcium (91%), Magnesium (96%), Eisen (82%) und Zink (68%).

Die Zufuhrempfehlung von 100 mg gilt nur für kerngesunde Menschen. Auch die DGE geht bei erhöhten Belastungen, Krankheiten und chronischer Medikamenteneinnahme von einem höheren Bedarf aus, kann diesen aber weder in Zahlen fassen noch schätzen. (Selbst die Zufuhrempfehlungen der Mikronährstoffe für Gesunde beruhen vielfach nur auf Schätzungen, weil Messungen sehr schwierig sind.)

In den USA liegt die empfohlene Tagesdosis für Ascorbin bei 60 mg. Mark Levine regte aufgrund seiner kinetischen Untersuchungen 1996 an sieben jungen und gesunden Probanden eine Erhöhung auf 200 mg an. Obige Abbildung nach dieser Veröffentlichung zeigt, dass dies zu einem Blutspiegel am Anfang der Plateauphase führt. Der geringste Mehrbedarf durch zusätzliche Belastungen lässt den Plasmaspiegel schlagartig in das Mangelversorgungsniveau des Präskorbuts absacken.

Mit einer Erhöhung der oralen Dosis erreicht man höhere Blutspiegel. Nachgewiesen wurden 220 µM/L unter der Einnahme von 6 x 3 g täglich (Padayatty et al., 2004). Dies entspricht dem oral maximal erreichbaren Blutspiegel. Appliziert man Lysosomen-Ascorbin, sind Blutspiegel bis über 300 µM/L erzielbar. Mit intravenösen Gaben kommt man auf über 10000 µM/L.

Der Blutspiegel als solcher ist letztendlich nicht allein ausschlaggebend, sondern die Versorgung von Zellen und Gewebe. Beispielsweise entspricht der Ascorbingehalt der Gelenkflüssigkeit der des Blutplasmas (Diffusion). Bei einer mangelhaften Regeneration des Knorpels (Arthrose) ist eine bessere Versorgung der Knorpelzellen mit Ascorbin zur Verbesserung der Kollagensynthese nur über eine Erhöhung des Blutspiegels zu erreichen.

Ascorbingaben von 200 mg täglich führen bereits zu einer guten intrazellulären Sättigung der Leukozyten in Höhe von 1300 bis 3500 µM/L, also dem 20 bis 50-fachen des Plasmaspiegels. Mit diesen Werten ist eine bakterielle oder virale Infektabwehr gesichert. Nur wird bei einer solchen sozusagen die Munition auch verschossen und der Nachschub muss funktionieren. Mit der täglichen Zufuhr von 200 mg im Falle eines Infektes kann dies nicht gelingen, da man an der Kante des Sättigungsplateaus liegt, und der Infekt Ascorbin verbraucht. Stress, Infektionen (auch lokal begrenzte, wie Abszesse) und konsumierende Erkrankungen lassen den Bedarf auf ein mehrfaches steigen.

Es ist erschreckend festzustellen, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung auf dem 50-Milligramm-Niveau liegt und der Entwicklung von Krankheiten ziemlich schutzlos ausgeliefert ist, die bei höherer Dosierung nicht aufträten.

So wurde bereits 1954 in Kanada angiographisch beim Menschen verifiziert, dass sich arteriosklerotische Plaques in den Arterien mit einer täglichen Ascorbindosis von nur 1,5 g bei 60 % der Patienten innerhalb weniger Wochen zurückbildeten. Auch im Meerschweinchenmodell wurde beobachtet, dass Ascorbin Arteriosklerose verhindert, wenn es physiologisch dosiert wird. Beim Vergleich der Autopsien von an chronischen Krankheiten Verstorbener und Unfalltoten fand sich bei ersteren in der Aortenwand immer deutlich weniger bis kein Ascorbin mehr, weil es durch die konsumierenden Krankheiten verbraucht worden war.

Ein Argument für eine physiologische Dosierung sind auch die Verhältnisse bei unseren Artgenossen. Es gibt Untersuchungen an Säugetieren, die mit Ausnahme des Menschen, der Menschenaffen und der Meerschweinchen Ascorbin nicht mit der Nahrung aufzunehmen brauchen, sondern es selbst aus Glukose synthetisieren können. Sie machen dies in einer durchschnittlichen Tagesproduktion von 10000 mg, bezogen auf ein menschliches Körpergewicht von 70 kg. Der niedrigste Wert (336 mg) wurde bei Katzen, der höchste (19250 mg) bei Mäusen gemessen. Nach Linus Pauling liegt die optimale tägliche Ascorbinaufnahme zwischen 2,3 und 10 g. Berücksichtigt man die individuelle biochemische Variabilität (z. B. Lebergröße oder Genfunktion), liegt die Spannbreite zwischen 250 mg und 20 g und mehr.

Das Subcommittee on Laboratory Animal Nutrition (USA) schreibt für die Fütterung von Labortieren, die kein Ascorbin synthetisieren können, entsprechende Mengen vor. So erhalten Meerschweinchen 42--167 mg/kg KG und Tag und Primaten 55 mg/kg KG und Tag. Demgegenüber werden dem homo sapiens 1,5 mg/kg KG und Tag empfohlen.

Wegen der geringeren Bioverfügbarkeit bzw. der relativ geringeren Resorption höherer Einzeldosen und zur Aufrechterhaltung ebenmäßiger Blutspiegel ist es zweckmäßig, die Tagesdosis auf 3 bis 6 Einzelgaben aufzuteilen, wenn der Alltag dies zulässt. Es werden aber auch mit 2 Einzelgaben jeweils morgens und abends nach dem Essen gute Blutspiegel erreicht.

Aus ökonomischen Gründen empfiehlt sich die Verwendung von reinem Vitamin C Pulver. Unter individuellen Gesichtspunkten können aber auch Retard-Tabletten oder basische Präparate angezeigt sein. Die optimale Dosierung liegt etwas unterhalb der individuellen Darm-Toleranz-Grenze (siehe nächster Absatz), mithin für die meisten Menschen bei einer Tagesdosis von 4 – 8 Gramm. Ein gestrichener Teelöffel entspricht 1,5 – 2 Gramm, ein gehäufter 4 Gramm.

 

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wenn man eine größere Menge Vitamin C nüchtern nimmt oder eine sehr große Tagesmenge, kann unresorbierte Ascorbinsäure in den Enddarm gelangen und dort, ähnlich wie Zuckermoleküle, Wasser binden und zu harmlosem Durchfall führen. Diese „bowel-tolerance“ oder Darm-Toleranz-Grenze ist individuell sehr unterschiedlich. Akute Infektionen und Stress verschieben sie deutlich nach oben. Größere Ascorbinmengen können auch Blähungen verursachen.

Nur eine von drei groß angelegten epidemiologischen Langzeitstudien fand ein minimal höheres Risiko für Nierensteine in Zusammenhang mit täglich >1 g Vitamin C. Ein ursächlicher Zusammenhang ist weltweit in keinem Fall bekannt. Allenfalls hoch dosierte intravenöse Gaben bei Dialysepatienten können Nierensteine verursachen; weltweit sind zwei Fälle beschrieben. (McAllister CJ, Scowden EB, Dewberry FL, et al. Renal failure secondary to massive infusion of vitamin C. JAMA, 1984;252:1684. Wong K, Thomson C, Bailey RR, et al. Acute oxalate nephropathy after a massive intravenous dose of vitamin C. Aust N Z J Med, 1994;24:410-1).

Die Hälfte aller Nierensteine besteht aus Kalziumphosphat, Magnesiumammoniumphosphat oder Kalziumkarbonat. Diese bilden sich in alkalischem Urin. Ansäuern mit Vitamin C verhindert die Steinbildung. Die andere Hälfte der Nierensteine besteht aus Kalziumoxalat, Urat oder Zystin und bildet sich in saurem Urin. In diesem Fall sollte man Natriumascorbat einnehmen oder Ascorbinsäure mit der gleichen Menge Soda (Natriumhydrogenkarbonat). Ascorbin erhöht die normale Ausscheidung von Oxalsäure nur unwesentlich; normalerweise werden nur 0,3 % zu Oxalat umgewandelt. Es wird nicht nur dazu abgebaut, sondern auch zu Kohlendioxid und Xylulose decarboxyliert. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 l Wasser pro Tag) verhindert ohnehin Steinbildungen.

Bei der Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl oder auf Glukose im Urin mittels Teststreifen ist zu beachten, dass Ascorbin ab etwa 15 g täglich die Peroxidasereaktion verhindern kann, dass also Blut im Stuhl bzw. Glukose im Urin ist, ohne dass es festgestellt werden kann. Vorsichtshalber sollte in diesem Fall auf immunologische Stuhlteste zurückgegriffen werden und auf Urinteststreifen, die trotz hoher Ascorbinkonzentrationen verlässliche Ergebnisse liefern.

Ascorbinsäure ist eine schwache Säure, vergleichbar der Essigsäure, aber schwächer als Zitronen-, Milch- oder Weinsäure. Hinsichtlich des Zahnschmelzes gilt, wie für alle Säuren, längeren intensiven Kontakt zu vermeiden. Zur lokalen Parodontosebehandlung verwendet man also Natriumascorbat, Ascorbin als Salz und nicht als Säure.

Die Magensäure (Salzsäure) ist eine sehr starke Säure. Besteht eine chronische Gastritis oder eine Refluxkrankheit, sollte Ascorbinsäure zusammen mit Joghurt oder Quark in langsam steigenden Dosen oder Natriumascorbat anstatt Ascorbinsäure eingenommen werden.

Bei Personen mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) könnte, aber nicht nach oralen, sondern nur nach intravenösen Gaben, eine intravaskuläre Hämolyse auftreten (Levine M, Rumsey SC, Daruwala R, et al. Criteria and recommendations for vitamin C intake. JAMA, 1999;281:1415-23). Dies wurde jedoch noch nie beobachtet. Vorsichtshalber sollte man vor Ascorbin-Infusionen einen G6PD-Mangel ausschließen.

Vorsicht ist geboten bei den seltenen Eisenverwertungs-/Eisenspeicherkrankheiten (Hämosiderose), da die Eisenresorption durch Ascorbin verbessert wird.

 

Fakten

Mangelerscheinungen des Ascorbins äußern sich (u. a.) in Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit, Leistungsschwäche und Müdigkeit.

Ascorbin hilft als Antioxidans und Radikalenfänger bei allen entzündlichen Prozessen. Es ist zur Kollagenbildung zwingend notwendig (Coenzym der Prolyl-4-Hydroxylase zur Bildung von Hydroyprolin aus Prolin und der Lysylhydroxylase zur Bildung von Hydroxylysin aus Lysin), zur Hydroxylierung von Steroiden, zur Synthese von Noradrenalin und Carnitin und für den Cholesterinstoffwechsel.

Es stellt einen DNA-Schutz dar, ist entscheidend für die Leukozytenfunktion und das Immunsystem und verhindert zusammen mit Lysin über die oben erwähnten Mechanismen Arteriosklerose und die damit verbundenen Folgekrankheiten (Gale CR, Ashurst HE, Powers HJ, Martyn CN. Antioxidant vitamin status and carotid atherosclerosis in the elderly. Amer. J. of Clin. Nutr., 2001;74(3):402-8. Enstrom JE, Kanim LE, Klein MA. Vitamin C intake and mortality among a sample of the United States population. Epidemiology, 1992;3(3):194-202. Khaw KT, Bingham S, Welch A, Luben R, Wareham N, Oakes S, Day N. Relation between plasma ascorbic acid and mortality in men and women in EPIC-Norfolk prospective study: a prospective population study. Lancet, 2001;357(9257):657-63).

Die Arteriosklerose ist ein komplexes Krankheitsbild. Sie beginnt mit einer Fehlfunktion der inneren Arterienauskleidung (endotheliale Dysfunktion), welche durch oxidativen Streß begünstigt wird. Zum einen oxidieren ROS Stickstoffmonoxid (NO) zu Peroxinitrit, das stark gefäßschädigend ist. Zweitens vernichten ROS das Molekül Tetrahydrobiopterin, das zur Bildung von NO zwingend erforderlich ist. Drittens führen ROS zu einer Erhöhung des asymmetrischen Dimethylarginin (ADMA), das die NO-Bildung direkt hemmt.

Durch das fehlende NO unterbleibt die Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur. Es entsteht Bluthochdruck. Da außerdem NO einer verstärkten Blutgerinnungsneigung (Thrombose) entgegenwirkt, indem es die Blutplättchenverklumpung hemmt (Thrombozytenaggregation), und schädliche Reaktionen von Immunzellen auf die Gefäßinnenwand sowie das Einwachsen glatter Muskelzellen in das Gefäßlumen unterbindet, verhindert es die Entstehung arteriosklerotischer Plaques.

Durch die Inaktivierung der ROS verbessert Ascorbin die gute NO-Wirkung und verhindert die Arteriosklerose. Nicht nur, dass die Entstehung von Plaques verhindert wird, bestehende Plaques werden auch resorbiert. Die erforderliche Mindestdosis hierfür liegt bei 4 Gramm Ascorbin pro Tag und mehr.

In der richtigen Dosierung (3 g pro Stunde) sehr frühzeitig eingesetzt verhindert Ascorbin akute virale und bakterielle Infektionen. Wacht man mit einem Infekt auf, kann man ihn auch mit dieser hohen Dosis nicht mehr verhindern, aber abkürzen und die Beschwerden deutlich lindern.

Ascorbin senkt die Krebsinzidenz, bessert Arthritis und Rheuma. Es lindert Allergien (Histaminblutspiegel sinkt um 70 %) und senkt die Erkrankungsraten an Glaukom, Katarakt und Netzhautablösung.

Vitamin C schützt vor Magengeschwüren. Es ist in der Form des Natriumascorbats zur Behandlung peptischer Ulcera geeignet. Schwangeren verabreichte Frederick R. Klenner, MD, 4 g Ascorbin im 1., 6 g im 2. und 10 g täglich im 3. Trimenon. Unter hunderten von Schwangerschaften sah er ausnahmslos komplikationslose Verläufe (Klenner FR. Observations On the Dose and Administration of Ascorbic Acid When Employed Beyond the Range of A Vitamin in Human Pathology. Journal of Applied Nutrition, 1971;23(3)(4)).

Bei Diabetes mellitus senkt Ascorbin den Insulinbedarf und schützt vor vorzeitiger Arteriosklerose.

Ascorbin schützt bei chemischem und physikalischem Streß, bei Vergiftungen, speziell Kohlenmonoxidvergiftung, und es neutralisiert Toxinwirkungen. Daten liegen vor zu Quecksilber, Blei, Arsen, Chrom, Goldsalze, Benzol, Strychnin, Digitalis, Vitamin A, Barbiturate, Morphin, Schlangengift, Botulismus und Tetanus.

Ascorbin kann Abszesse verhindern bzw. ihre schnellere Abheilung bewirken. Es verbessert die Heilung von Frakturen und ist für eine normale und schnelle Wundheilung erforderlich (Kollagenbildung). Somit ist es prä und postoperativ, oral und auch intravenös, indiziert. Präoperativ verabreicht erhöht es den Verbrauch an Anästhetika. Es verbessert die Schockbehandlung.

Eine kontrollierte Studie (Cameron E, Pauling L. Supplemental Ascorbate in the Supportive Treatment of Cancer: Prolongation of Survival Times in Terminal Human Cancer. Proceedings of the National Academy of Sciences USA, 1976;73:3685-9) an 100 mit Ascorbin Behandelten zeigte eine 4,2-fach längere und glücklichere Überlebenszeit als bei den 1000 Kontrollpatienten. Einige überlebten bis zu 14 Jahren, obwohl alle zu Beginn der Studie als ausbehandelt („Untreatability“) eingestuft wurden. Eine japanische Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen (Morishige F, Murata A. Prolongation of Survival Times in Terminal Human Cancer by Administration of Supplemental Ascorbate. Journal of the International Academy of Preventive Medicine, 1978;5:47-52).


Um diese Studien zu widerlegen, erschienen zwei Veröffentlichungen der Mayo-Klinik. Diese Forscher hielten sich jedoch nicht an das Protokoll obiger Studien. Sie fanden in ihrer ersten Untersuchung (Creagan ET, Moertel CG, O´Fallon JR, Schutt AJ, o´Connell MJ, Rubin J, Frytak S. Failure of High-Dose Vitamin C (Ascorbic Acid) Therapy to Benefit Patients with Advanced Cancer: A Controlled Trial. The New England Journal of Medicine, 1979;301:687-90) einen kleinen protektiven Effekt von Vitamin C, wobei die meisten Mayo-Patienten vorher starke zytotoxische Chemotherapien erhalten hatten (in der Cameron-Studie waren das nur 4 %) und Vitamin C relativ hochdosiert auch der Kontrollgruppe verabreicht wurde.  

In der Cameron-Studie nahmen die Patienten 10 g Vitamin C täglich bis an ihr Lebensende (Maximum 14 Jahre) und erhielten es zu Therapiebeginn für etwa 10 Tage intravenös (10 g tgl.).

In der zweiten Mayo-Studie (Moertel CG, Fleming TR, Creagan ET, Rubin J, O´Connell MJ, Ames MM. High-Dose Vitamin C versus Placebo in the Treatment of Patients with Advanced Cancer Who Had No Prior Chemotherapy. The New England Journal of Medicine, 1985;312:137-41) erhielten die Patienten Vitamin C (etwas weniger als 10 g pro Tag oral) nur kurze Zeit (Median 2,5 Monate). Keiner starb während der Vitamin C-Einnahme. Die Patienten wurden dann zwei Jahre nachbeobachtet und zeigten eine ähnliche Mortalität wie die Kontrollgruppe. Nicht erwähnt wurde, dass sie kein Vitamin C erhielten, als sie starben, und dass sie auch lange Zeit vor ihrem Tod (Median 10,5 Monate) keines erhielten. Die Autoren verkündeten, die Studie habe abschließend und definitiv gezeigt, dass Vitamin C keinen Wert gegen fortgeschrittenen Krebs habe und empfahlen, es sollten überhaupt keine weiteren Studien mit Vitamin C mehr gemacht werden!



Ihre Ergebnisse lieferten aber keinerlei Basis für eine solche Schlussfolgerung. Wenn diese Studie irgendetwas zeigt, dann dass man Krebspatienten nicht zweieinhalb Monate lang, sondern zeitlebens ausreichend Vitamin C geben sollte. Diese unsaubere Veröffentlichung und ihr Presserummel haben sehr viel Schaden angerichtet.

Nach unserem heutigen Kenntnisstand ist bei manifesten Malignomen die intravenöse und hochdosierte orale Ascorbingabe angebracht. Intravenös wirkt Ascorbin selektiv auf maligne Zellen zytotoxisch. Die bahnbrechenden Arbeiten von Levine und Chen lassen den Schluss zu, dass damit nach der Primärbehandlung auch eine Metastasenprophylaxe möglich sein müsste.

Für die rein orale Einnahme von täglich 10 g Vitamin C bei konventionell ausbehandelten Karzinompatienten galt früher: Kein Ansprechen des Tumors, aber bessere Lebensqualität in 20 %, geringes Ansprechen des Tumors in 25 %, Verlangsamung des Tumorwachstums in 25 %, kein weiteres Wachstum in 20 %, Tumorrückbildung in 9 % und Komplettremission in 1 % (Pauling L. How to Live Longer and Feel Better. Oregon State University Press, 1986, ISBN 0870710966).

Bessere Ergebnisse scheinen mit kontinuierlichen intravenösen Applikationen (zwei- bis dreimal pro Woche), hochdosierten oralen täglichen Ascorbineinnahmen und der oralen Einnahme von OPC (1 g tgl. und mehr), Selen (300-600 µg), Coenzym Q10 (300 mg) und Leinöl erreichbar zu sein bzw. mit OPC in Kombination mit dem Hoffer-Schema, welches Vitamin A, B-Komplex, C, D, E, Folsäure und Coenzym Q10 enthält, alles in hoher Dosierung.

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